MOS

Kommandeur MOS April 1963-30.09.1968, Kapitän zur See Heinrich Hoffmann

Biographie Kapitän zur See Heinrich Hoffmann, Kommandeur MOS April
1963-September 1968

Vorbemerkung: die nachfolgenden Daten beruhen auf Recherchen des
ehemaligen I.WO der "Scheer", Ludolf Richter, der dem Kommandeur MOS auch
1967 und 1968 als Inspektionschef 5.Insp. und später Truppenfachlehrer
unterstellt war. Er hatte Richter noch auf der "Scheer" das
Kommandantenzeugnis zuerkannt. Der Kommaneur MOS war zugleich
"nächsthöherer Disziplinarvorgetzter" für die Besatzung (außer dem
Kommandanten: direkter Vorgesetzter).

Die Biographie ist bewußt ausführlich gehalten, was seinen Einsatz
während der Allierten Invasion betrifft, da dies sicher für alle
interessant sein dürfte. Heute würden die einen sagen, er war ein
hochdekorierter Kriegsheld, andere, er war ein rücksichtsloser
Vorgesetzter, der seine Untergebene in aussichtslose Kamikaze-Unternehmen
führte und dabei viel Glück hatte. Jedenfalls hat er seinen Weg in die
internationale Literatur zur Invasion gefunden, als er seine 3
Torpedoboote am 06.06.1944 gegen die riesige Invasionsflotte führte.

Geb.17.08.1910 Bottrop-gest.29.01.1998 Wehden bei Schiffdorf/Bremerhaven.
1928 trat er als 18-jähriger Mannschaftsdienstgrad in die Reichsmarine
ein. Es liegen keine Erkenntnisse vor, welcher Fachrichtung er
angehörte.1933 wurde er Bootsmannsmaat und wenig später als
Offiziersanwärter aus der Truppe berufen, was in Friedenszeiten sehr
selten war. Über Fähnrich und Oberfähnrich zur See wurde er schließlich
am 01.01.1936 zum Leutnant zur See befördert. Bei Kriegsbeginn 1939 war
er OLt zS und wurde am 01.01.1940 Kapitänleutnant. Nachdem er für 2
Monate den Kommandanten von Torpedoboot "T5" vertreten hatte, übernahm er
im Mai 1940 mit "T11" sein erstes eigenes Boot (ca.1100 t,119 Mann
Besatzung, 28.000 PS, 34.5 Kn,1-10,5 cm-Geschütz, mehrere 2cm-Flak-Kanonen,
3 Torpedorohre, Mitnahmemöglichkeit für 30 Minen). Im Oktober 1941 wurde
er Kommandant Torpedoboot "Greif" (mit drei 10,5 cm-Geschützen, 6
Torpedorohren und stärkerer Flak-Bewaffnung). Nach Torpedoboot "Falke"
bekam er schließlich das neue Torpedoboot "T24" (größer, stärkere
Bewaffnung, 209 Mann Besatzung).
Am 01.10.1943 wurde er zum Korvettenkapitän befördert und übernahm die
5.Torpedobootflottille (wir würden heute Geschwader statt Flottille
sagen). Nach Geleitschutz- und Minenleg-Einsätzen in der Nordsee und vor
Norwegen wurde seine Flottille nach Cherbourg/Frankreich verlegt. Zu den
5 Booten "Greif","Möwe","Kondor","Falke" und "Jaguar" trat im April 1944
noch "T28", ein Schwesterschiff von "T24", hinzu. Beim Verlegungsmarsch von
Cherbourg nach Le Havre am 24.5.wurde "Greif" durch Fliegerbomben
versenkt und "Kondor" durch einen Minentreffer schwer beschädigt (wurde
bei der Räumung von Le Havre selbstversenkt), konnte jedoch Le Havre
erreichen, jedoch nicht mehr instandgesetz werden und diente als
"Personalreserve" für die übrigen Boote, wie auch der nach einer Kollision
mit "Greif" beschädigte "Falke" (war erst am 12.06. wieder klar). Bei
Beginn der Allierten Invasion in der Normandie am 06.06.1944 standen
KKpt Hoffmann somit nur noch 3 einsatzklare Boote zur Verfügung.
Nach Meldungen von deutschen Batterien an der Normandieküste über
Beschuss mit schwerer Schiffsartillerie liefen "T28" (sein
Führerboot), "Jaguar" und "Möve" an 06.06. um 04 Uhr 15 aus und standen
gegen 05 Uhr 15 bei sehr schlechter Sicht und schwerem Wetter vor der
Seinemündung als mehrere "große Schatten an Steuerbord voraus" in Sicht kamen, von
denen aus Mündungsfeuer zu sehen war. Es handelte sich um 2 englische
Schlachschiffe (38,1 cm-Geschütze!) und kleinere Kriegsschiffe. KKpt
Hoffmann befahl sofortigen Torpedoangriff und 18 Torpedos wurden
gestartet. Während die beiden Schlachtschiffe ausweichen konnten, hatte
der norwegische Begleit-Zerstörer "Svenner" dieses Glück nicht und wurde
versenkt. Hoffmann meldete die hinter den schweren Einheiten
heranrollenden Landungsfahrzeuge (gesamt ca.4000 Landungsboote und
Truppentransporter) per Funk, doch im Hauptquartier hielt man dies für
ein Ablenkungsmanöver, weil man die eigentliche Invasion fälschlich bei Calais erwartete. Man
hielt es weder für nötig, den Oberbefehlshaber Rommel, der sich zu einem
Kurzurlaub in Ulm befand, noch das Führerhauptquartier am Obersalzberg zu
benachrichtigen.Hitlers "Obertaktiker" Gen.Jodl bestärkte am nächsten
Tag diesen, dass es sich hier wohl um einen Scheinangriff handele. Aus
diesem Grund wurden weder die deutschen Truppen bei Calais noch die
beiden Panzerdivisionen in Paris in Marsch gesetzt (später dann doch noch).
Am 07.06. wurde Hoffmann das Ritterkreuz verliehen.
Seine Boote, ab 12.06.wieder 4, liefen Nacht für Nacht aus und griffen
Invasionsfahrzeuge an, wobei sie zahlreiche Treffer erzielten,
bzw.schützten Minenräumboote beim Minenlegen gegen
Flugzeugangriffe. Dabei gab es zahlreiche Tote und Verwundete als Folge
der Tieffliegerangriffe. In der Nacht vom 14.auf den 15.06. griffen in 2
Wellen fast 300 viermotorige Lancaster-Bomber
Le Havre an. "Möwe", "Falke" und "Kondor", die sich, wie alle anderen im
Hafen befindlichen deutsche Kriegsschiffe, an der Flugabwehr
beteiligten,sanken nach schweren Treffern, während "T28" nur leicht
beschädigt wurde.
Am 11.07.44 erhielt er das 524. Eichenlaub zum Ritterkreuz.
"T28" gelang später ein spektakulärer Ausbruch bis nach Deutschland und
das bei der drückenden Luftüberlegenheit der Allierten über dem
Kanal!. Als englische Kriegsbeute wurde das Boot den Franzosen überlassen
und als Zerstörer "Le Lorraine" in Dienst gestellt. Nach einer Havarie
wurde er 1955 abgewrackt.
Von Nov.1944 bis Kriegsende war KKpt Hoffmann unter Vizeadmiral Heye
Kommandeur der "Ausbildungsabteilung der Marinekleinkampfverbände" in
Kappeln (Kampfschwimmer,Ein-/Zweimann-U-Bootfahrer, Sprengbootfahrer), der
härtesten Ausbildung der Kriegsmarine.
Auch im Zivilleben konnte er sich erfolgreich behaupten. Vor seinem Eintritt in die Bundesmarine war er zuletzt Prokurist einer international tätigen Spedition.

Am 13.03.1956 trat er in die Bundesmarine ein und wurde am gleichen Tag
zum Fregattenkapitän befördert. Nach Tätigkeiten im Ministerium wurde er
jeweils erster Kommandeur vom 2.Geleitgeschwader (Beförderung zum
Kapitän zu See am 09.05.1960) und 1.Zerstörergeschwader (mit den
US-Fletcher-Zerstörern Z1, Z2 und Z3) und wurde schließlich im April 1963
Kommandeur der MOS, was er bis zu seiner Pensionierung zum 30.09.1968
bliebt. Für ihn war die "Scheer" immer etwas besonderes: es war sein
Schiff!

Als Geschenk der Besatzung der "Schulfregatte Scheer" wurde der
Stockanker des Schiffes im Garten seines Hauses aufgestellt.

Die Aufnahme des Ankers entstand im Juni 2009

Am 16. 6. 2010 wurde der Anker von ehem. Besatzungsmitgliedern der "Scheer" der MOS übergeben und liegt jetzt an der Hauptwache.

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 12. 7. 2009

 

 

Der Pressebericht über die Marineortungsschule stammt von Joost Kirchhoff, den er als ehemaliger Angehöriger des Schulstabes veröffentlicht hat. Nach seinen Angaben hat er diesen Bericht im Zeitraum 1965-1968 als damaliger S1 der MOS verfaßt.

Joost Kirchhoff ist einer der letzten Zeitzeugen, der als Offizier auf den  Schulschiffen der MOS gefahren ist. Er war Kommandant auf „OT 1“ und später IWO auf „SF Scheer“. Anschließend wurde er als Stabsoffizier an der MOS eingesetzt.

Er lebt jetzt in der Nähe der Stadt Emden.

Unser Kamerad Manfred Heinken hat ihn am 22.Mai dort besucht.

 


 

Grauer Esel (MOS)

Signalstation

MOS in den 60er Jahren

Speisesaal MOS

Schulgebäude in der MOS

Die MOS aus der Vogelperspektive 60er Jahre.

 ENGLER-Foto Luftaufnahme (Freigegeben für die Homepage)